Gastroenterologie
Blutungen, gastrointestinale: Diagnose
Hämatemesis
Definition
Bluterbrechen; bei HCl-Einwirkung schwärzliche Verfärbung, sog. Kaffeesatzerbrechen. Blutungsquelle: meist oberhalb des Treitzschen Ligamentes.
Ursachen
Häufigste Blutungsquelle: Magen, Duodenum, Ösophagus, selten auch Mundhöhle, Nasen-rachen-raum, Lungen
- 60 % Ulcera ventriculi aut duodeni
- 10 % erosive Gastritis
- 10 % Ösophagusvarizen
- 20 % verschiedene Ursachen
(Ösophagitis; Mallory-Weiss-Syndrom: Lazeration im Kardiabereich nach heftigem Erbrechen; Tumoren, z.B. Malignome, Hämangiome; M. Osler; Antikoagulanzientherapie)
Symptome
- bei akutem Blutverlust über 1.000 ml und mehr Schocksymptomatik möglich:
- RR unter 100 mm Hg und Puls über 100 Schläge/min. bei sonst Normotensiven;
- Abfall des RR beim Aufsitzen um > 10 mm Hg; manifester Kreislaufkollaps (siehe Schock)
- Abfall des Hämatokrits. Beachte: Abfall oft erst 8-10 Std. nach Blutungsbeginn
Diagnostik
- Anamnese: Ulkusanamnese oder -beschwerden? Ulzerogene Medikamente (nichtsteroidale Antirheumatika)? Lebererkrankung? Heftiges Erbrechen? Hämorrhagische Diathese, Antikoagulanzientherapie?
- Befund: Zirrhose-Zeichen? Koagulopathie?
- Spezielle diagnostische Maßnahmen
- Notfallendoskopie (sicherstes Diagnostikum der Blutungsquelle).
- Differentialdiagnose: Epistaxis; Hämoptoe (Erbrechen von verschlucktem Blut)
Melaena, Hämatochezie
Definition Melaena
Teerfarbene Stühle bei gastrointestinalen Blutungen.
Melaena tritt erst bei stärkeren Blutungen von über 100 ml auf. Kleinere Mengen von Blut sind makroskopisch nicht sichtbar. Hämatemesis wird häufig von Melaena gefolgt. Teerstuhl entsteht durch bakteriellen Abbau des Hämoglobins im Colon. Die Zeit zwischen Blutungsbeginn und Auftreten von Melaena beträgt ca. 8 Stunden.
Definition Hämatochezie
Blutiger Stuhl, sowohl bei oberer als auch bei unterer gastrointestinaler Blutung möglich. Bei oberer GI-Blutung jedoch stärkeres Blutungsausmaß erforderlich. Daher klinischer Zustand wichtiges differentialdiagnostisches Kriterium zwischen oberer und unterer GI-Blutung. Unauffällige Klinik ohne Schocksymptomatik deutet bei transanalen hellroten Blutabgängen eher auf untere intestinale Blutung.
Ursachen
Alle unter Hämatemesis aufgeführten, also besonders Ulkus- und Ösophagusvarizenblutungen
Dünndarm
- Meckelsches Divertikel
- Tumoren
- M. Crohn
- Divertikel
- Volvulus
- Invagination
- Mesenterialvenenthrombose
Kolon
- Tumoren
- Divertikel
- Angiodysplasie
- chronisch ulzerative Kolitis
- M. Crohn
- Hämorrhoiden
- Kolitis (NSAR-induziert, hämorrhagisch)
Allgemein
- Antikoagulanzientherapie
- hämorrhagische Diathese
- Urämie
Blutungen oder Blutungsgefahr
infolge "Hypoprothrombinämie" (Mangel an Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X), u.a. bedingt durch Überdosierung von Antikoagulanzien vom Wirkungstyp des Dicumarols oder deren Kombination mit Phenylbutazon oder andere K-Hypovitaminosen (z.B. bei Verschluss-Ikterus, Leber- und Darm-Affektionen, langdauernder Verabfolgung von Antibiotika, Sulfonamiden oder Salicylsäurederivaten)
Symptome
- Teerstuhl bei Blutungen im gesamten Magen-Darm-Trakt und Darmpassage von 8h oder mehr (Bakterieneinwirkung)
- Flüssiges, rotes Blut bei tiefer sitzender Blutung und/oder schneller Darmpassage und massiven Blutungen
Diagnostik
siehe bei Hämatemesis
- primär immer Endoskopie: Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, Prokto-, Rekto-, Koloskopie, Enteroskopie, Kapsel-Endoskopie
- Röntgen: Enteroklysma, Mesenterialarterien-Angiographie
- Nuklearmedizin (in Ausnahmefällen): i.v.-Injektion von 99mTc-Schwefelkolloid oder 99mTc-markierten Erythrozyten. Nachweis der Blutung in den Darm mit Sequenzszintigraphie, Meckel-Scan
- Probelaparotomie bei ungeklärten, bedrohlichen Blutungen
Beachte
Melaena kann vorgetäuscht werden durch Medikamenteneinnahme wie Eisen, Wismut, Kohle oder durch Heidelbeeren und rote Rüben. Differenzierung durch (negativen) Test auf okkultes Blut (bei Eisenmedikation falsch-positiver Test möglich)
Massive Blutungen aus dem oberen Gastrointestinaltrakt (GE) gegenüber unterem GE im Verhältnis ca. 9:1
Diagnostischer Stufenplan: Vorgehen bei gastrointestinaler Blutung









